Design muss MEHRWERT schaffen

 

Der Tiroler und Designer Georg Juen ist nach Projekten in vielen Ecken der Welt mit ganz neuen Ideen nach Tirol zurückgekehrt.

 

Im Verein Design in Tirol und auf der neuen Präsentationsplattform Tirol in Zusammenarbeit mit Messe und Congress Innsbruck strickt er gerade an einem dichten Netzwerk erfahrener und junger Designer, die sich aufgemacht haben, Design in Tirol neu zu entdecken. Wir haben Georg Juen gefragt, worum es dabei genau geht und was einen international erfolgreichen Designer an seiner Heimat Tirol besonders fasziniert.

 


Was bringt einen weltweit tätigen Designer arbeitstechnisch nach Tirol?

Ich bin seit 20 Jahren selbstständiger Designer und arbeite gerne auf internationaler Ebene. Da habe ich habe gespürt, dass sich im eigenen Land sehr wenig rührt. Dabei haben wir in Tirol eine sehr große Originalität an Materialien und auch sehr gute Handwerker. Wir haben aber auch eine große Dichte an Möbelhäusern, die es so sonst in keinem EU-Land gibt und auch der Tourismus hat die Region nicht nur positiv stark beeinflusst. Für mich ist Regionalentwicklung sehr wichtig und es geht mir darum, den alpinen Raum im Design zu bearbeiten. Ich sehe mich dabei als Netzwerker, der Leute zusammenbringt. Und Design ist auch immer eine Gratwanderung zwischen Kunst und Wirtschaftlichkeit.

 

Wie präsentiert sich Ihnen die Tiroler Designer-Landschaft?

Georg Juen: Ich beschäftigte mich seit längerer Zeit intensiv mit dem Thema. Viele Design-Kollegen, kreative Köpfe und junge Einsteiger kennen mich inzwischen - es finden immer neue Projekte zu mir und es macht mir großen Spaß, dieses Netzwerk weiter zu entwickeln. Ich sehe es so, dass Tirol noch viel mehr Design vertragen könnte und Design entwickelt sich vor allem aus neuen Anforderungen. Wir bauen in Tirol sehr teuer und auch qualitativ hochwertig – aber vom Design her hat Tirol noch viel Potenzial – vor allem auch für moderne und innovative Wohn- und Einrichtungskonzepte.

 

Was müssen neue Wohnkonzepte bieten, was sie jetzt nicht tun?

Georg Juen: Das Passivhaus an sich bietet die Chance für ganz neue Wohnkonzepte, die wir auch mit regionalen Inhalten füllen können. Wohnen in Tirol bedeutet bisher warme, immer gut beheizte Wohnräume und niedrig temperierten Schlafräume. Das Passivhaus bietet hier viel flexiblere Einsatzmöglichkeiten der Räume, die sich mit den Veränderungen der BewohnerInnen über die Jahre stark verändern können und völlig neue Chancen bieten. Ein Beispiel sind sich wandelnde Wohneinheiten, die - wenn sich die Familie verändert – mitwachsen oder auch mal getauscht werden. Ein zentraler Punkt in Tirol ist aber auch „Wohngemütlichkeit“. Ich habe dazu ein modernes Konzept einer modernen „Tiroler Stube“ für das Passivhaus entwickelt. Ein Passivhaus braucht dabei auch neue, andere Möbel – die Wände sollen eher frei bleiben, Luftströme dürfen nicht blockiert werden und der Ofen oder die strahlende Wärmequelle muss im Passivhaus ganz neu definiert werden.

 

„Das Passivhaus ist eine große Chance für neue Wohnkonzepte.“

 

Was sind für Sie derzeit interessante Themen?

Ein ganz wichtiges Thema für uns alle ist Gesundheit. Wir werden viel länger arbeiten können (müssen) und dafür auch persönlich Strategien entwickeln müssen, wie wir länger gesund und leistungsfähig bleiben. Zwei sehr wichtige Bereiche dabei sind Wärme und Licht, die nicht nur dem Wohlbefinden zuträglich sind, sondern auch der Gesundheit. Eine ganze Palette an Angeboten ist hier gerade im Entstehen und das wird weit über die Wärmekabine im Schlafzimmer hinausreichen.

Ein zweites wichtiges Thema in Tirol ist der Tourismus und die Entwicklung eines authentischen alpinen Designs. In den letzten Jahrzehnten wurde im Tourismus fast nur in die Hardware investiert, das Menschliche ist für mein Gefühl auf der Strecke geblieben. Die Hardware ist teilweise sogar so zentral in den Mittelpunkt gerückt, dass der Mensch nicht mehr zu sehen ist. Der Trend geht dahin, dass Hotels zum Beispiel wieder ganz bewusst die Umgebung aufnehmen. Im Tourismus in Tirol sehe ich die Situation so, dass der Karren zwar derzeit ganz gut fährt, aber er muss gelenkt werden, damit er die Richtung findet, dabei ist die regionale Wertschöpfung eine spezielle Herausforderung. Gemeinsam mit den jungen Designern in Tirol und Designland Tirol können wir hier viel Authentizität schaffen.

 

Und welche Rolle soll Tirol in Zukunft im Design spielen?

Meine Vision ist, dass Innsbruck und Tirol zu einem alpinen Designzentrum werden – Voraussetzung ist, dass wir daran konsequent und gut zusammenarbeiten. Ich sehe das auch aus der Perspektive von Bozen und München, wo ich auch tätig bin – auch die tun sich nicht leicht und wir haben in Tirol durchaus das Potenzial und die Chance, eine starke Kraft zu werden.

 

Steckbrief Georg Juen

 

GEORG JUEN DESIGN

DER STUBENMACHER

Paulus Eller 

Thöni Josef GMBH

A - 6533 Fiss

A - 6083 Ellbögen

I - 39026 Italien

Latschthayaweg 18

Mühltal 202/1-3        

Prad am Stilfserjoch

 

 

 

Tel.: +43 (0)699 / 108 882 88

Tel.: +43 (0)664 / 334 65 65

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