Betriebsgebäude Ötztaler Welten

Objektbeschreibung:

„Da ist auch etwas ganz Besonderes in der Architektur, das mich fasziniert. – Die Spannung zwischen innen und außen. – Finde ich unglaublich gut. Also, dass wir in der Architektur ein Stück aus der Weltkugel herausnehmen und in eine kleine Kiste bauen. Und plötzlich gibt es ein Innen und ein Außen. Drinnen sein, draußen sein. Fantastisch.“ aus Athmosphären, Peter Zumthor, Birkhäuser – Verlag für Architektur

 

Die „Ötztaler Welten“ verstehen sich im doppeltem Sinne: Zum einen als „Schaltzentrale“ (Herz und Hirn) des Ötztalers, also der „inneren Welt“ der Busunternehmens und zum Anderen als kleines Modell bzw. Abbild der realen Ötztaler Welt (im Besonderen der berühmten Ötztaler Gletscher) im Inneren, welche die Ötztaler Busse als Botschafter in die Welt hinaus tragen. Im umgekehrten Sinne bringt das Unternehmen die Welt, sprich die Gäste, in diese ganz besondere und unbeschreiblich schöne Welt, um sich an dieser Schönheit des Ötztals zu erfreuen und dadurch zu erholen. In diesem Sinne können der Vorstands- bzw. Geschäftsführungsbereiche sowohl räumlich als auch gedanklich als Gelenk, Bindeglied oder Übergang zwischen dieser äußeren und inneren Ötztaler Welt gesehen werden. Ebenfalls in Anlehnung an das (so manches Mal) unwegsame Gelände des Ötztals, eine Brücke, welche über „Schluchten und Felsabbrüche“ zum neuen Gebäudeteil, dem Verwaltungstrakt der ÖVG, führt.

Von einem weniger philosophischen Standpunkt aus betrachtet soll speziell der Lichthof an Hochgebirgsregionen des Ötztales erinnern, um als Ort bzw. Raum mit einer ganz besonderen Athmosphäre, sowohl für Kunden als auch für die Mitarbeiter, zu einem erhöhten Wohlbefinden beizutragen.

 

Der neue Verwaltungstrakt der ÖVG versteht sich als Aufstockung des Werkstättenteils des bestehenden Betriebsgebäudes der Ötztaler Verkehrsgesellschaft m. b. H. im Gewerbegebiet der Gemeinde Sölden (Schmittenegg) direkt an der B186 (Ötztalstraße) zwischen Sölden u. Zwieselstein gelegen. Die Erweiterung umfasst einerseits die Unterbringung der Verwaltung des Betriebes - Büroräumlichkeiten inkl. Büro für die Geschäftsführung, einen Bereich für den Vorstand (Sitzungszimmer), Nebenräume (WC´s, Technik, Teeküche), sowie einem großzügigen Foyerbereich, und andererseits einen Trakt mit 7 Mitarbeiterapartments (Bus-lenker), zoniert durch einen Lichthof – die "Ötzaler Welten" - mit glitzerndem Gesteinsmaterial aus den Moränenfeldern der weltbekannten Ötztaler Ferner.


Herausforderungen und die jeweilige (bauliche) „Antwort“ (stichwortartig zusammengefasst)

(1) Statik (Bestandsgebäude war nicht für Aufstockung ausgelegt) -> Holzbau

(2) Ökologie, Rückbau, Entsorgung (Wunsch d. Auftraggebers) -> Holzbau

(3) Raumorganisation (Nutzungsvorstellungen des AG - Kombination Verwaltung und Mitarbeiterwohnungen) -> Lichthof „Ötztaler Welten“

(4) Anspruch auf hohe räumliche Qualität (Wohlfühlfaktor MA/Benutzer) -> Lichthof, Holzbau, Lehm 

(5) „Bauen im Gebirge“, noch dazu gewerblich genutztes Gebäude, … Material Erscheinungsbild, Einbindung in die Landschaft/Umgebung -> Holzbau, Lärchenschindelfassade

(6) kurze Bauzeit (Saisonbetrieb) -> akribische Vorausplanung -> Holzbau perfekt!

 

weitere Besonderheiten -> Energieeffizienz, Ökologie (stichwortartig zusammengefasst)

 (1) Energieeffizienz

-> hochwertigste Haustechnik u. durchdachtes Haustechnikkonzept (IB Ruetz)

-> hochwertige Planung der Gebäudehülle,

-> das gesamte Gebäude ist mit Passivhauskomponenten ausgestattet, erreicht aber rein rechnerisch den Passivhausstandard nicht; dazu Hermann Glatzl (Glatzl Holzbauprojekte): „Das Gebäude kann nicht als reines Passivhaus darstellt werden, weil sich nach Rechenwert kein Passivhaus ergibt; nicht möglich wegen der örtlichen Lage des Gebäudes bzw. der „unzureichenden“ Kompaktheit = Trennung durch den hochwertigen Lichthof und wird daher als „Gebäude welches ausschließlich mit Passivhauskomponenten errichtet wurde“ beschrieben.“

-> komplette Dämmhülle U-Werte <0,10, Fenster U-Wert < 0,8

-> Passivhaus zertifizierte Lüftungsgeräte

-> Konzept mit Berechnung nach PHPP = Passivhausprojektierungspaket

-> geringster Primärenergieverbrauch

(2) kein Flächenverbrauch durch Aufstocken

(3) intensive Zusammenarbeit mit Spezialisten:

-> Konzept Holzbau, Koordination Planung: Glatzl Holzbauprojekte

-> Statik: fs1 ZT GmbH (Dr. Christian Stöffler)

-> Haustechnik (HKLS): IB Ruetz

-> Bau- (Projekt)managment: Ing. Reindl Stefan (RST)

 

Technische Daten/Gebäudekennwerte:

NNFL Verwaltung: 368,51m²

NNFL Mitarbeiterwhg.: 203,10m³

NNFL Lichthof: 117,00m²

NNFL gesamt: 688,60m²

überbaute Fläche bzw. BGF (Aufstockung) inkl. Lichthof: 813,28m²

umbauter Raum inkl. Lichthof: 4.229,06m³

Bauherr/Bauherrin:

Ötztaler Verkehrsgesellschft m.b.H.

Architektur und Fachplaner:

  • Planung der Architektur: Stefan Schrott u. Judith Schöffthaler
  • Entwurfs- und Eingabeplanung: Stefan Schrott u. Judith Schöffthaler
  • Holzbauplanung: Glatzl Holzbauprojekte
  • Bauleitung: Glatzl Holzbauprojekte, RST - Stefan Reindl Planungs- u. Bauleitungs- G.m.b.H
  • Polier- und Detailplanung:
  • Planung der Haustechnik: IB Ruetz
  • Planung der Bauphysik: Glatzl Holzbauprojekte, fs1 - Dr. Christian Stöffler
  • Planung der Statik: fs1 - Dr. Christian Stöffler
  • Passivhaus-Planung:
  • Passivhaus-Consulting:
  • Passivhaus-Zertifizierung:
  • Passivhaus-Qualitätssicherung:

Details zum Projekt:

Baujahr: 2016
Nutzfläche:  688,60m² (inkl. Lichthof)
Anzahl der Bewohner: 7 (Mitarbeiterwhg.); Mitarbeiter Verwaltung insg. 7
Heizwärmebedarf: 19kWh/m2a
Heizlast nach PHPP:
Energieausweis:
Heizsystem: Wärmepumpe (Luft)
Wärmeverteilung: Deckenheiz- u. kühlsystem
Komfortlüftung: Ja (getrennt in allen Bereichen)
Blower-Door Ergebnis:n50 Wert = 0,53 /h für das gesamte Gebäude
Spatenstich: 04. April 2016
Bauzeit: 6 Monate
Einzug: Ende Sep­tem­ber 2016
Fassade:Lärchenschindel vorbehandelt (Schnellvergrauer)
Bauweise: Holz (BSP, teilw. Hohlkastenelemente)
Regenerative Energie: Luft-Wärmepumpe bis Bivalenzpunkt  zwischen 0° bis -5° Celsius

Besondere Auszeichnungen:

OIB Richtlinie

Energieausweis: Einteilung A++ bis G
Die Einteilung in die einzelnen Klassen erfolgt, entsprechend
der OIB Richtlinie 6, nach dem Heizwärmebedarf (HWB) pro m² Brutto-Grundfläche
(ehemals Bruttogeschossfläche) beim Referenzklima (Ref). Die gesamte Haustechnik
bleibt bei der Einordnung in die Klassen A++ bis G unberücksichtigt.
 
Für die Klassengrenzen werden folgende Werte festgelegt:

  • Klasse A++: HWBBGF, Ref 10 kWh/m²a
  • Klasse A+: HWBBGF, Ref 15 kWh/m²a
  • Klasse A: HWBBGF, Ref 25 kWh/m²a
  • Klasse B: HWBBGF, Ref 50 kWh/m²a
  • Klasse C: HWBBGF, Ref 100 kWh/m²a

 
Erläuterung OIB Richtlinie:          
8.1.3 Stufen der Effizienzskala für die grafische Darstellung des
jährlichen Heizwärmebedarfs HWBBGF, Ref pro m² konditionierter
Brutto-Grundfläche und bezogen auf das Referenzklima gemäß
OIB-Leitfaden von Wohngebäuden und Nicht-Wohngebäuden.